Integration - Teil 1

Integration

Ihr Lieben, es ist so weit. Mit großer Freude, veröffentliche ich heute meinen ersten Eintrag in diesem Blog.

Die erste Reihe von Einträgen wird sich mit dem Thema Integration beschäftigen.

Diese so vielfältige und ebenso wesentliche Thema bietet die Möglichkeit, viele Facetten der schamanischen Weltsicht und auch Lebensweise zu beleuchten.

Ich freue mich sehr über Resonanzen auf meine Einträge. Auch Fragen sind jederzeit willkommen.

 
Fangen wir also heute an mit der Frage:

Was bedeutet Integration?

„Integration bezeichnet einen Organisationszustand eines Systemelements, der sowohl für das Systemelement als auch für das gesamte System optimal ist.“1

Klingt erstmal abstrakt. Ist es aber nicht.

Ich bin sehr glücklich, mein Leben aus schamanischer Sicht zu betrachten. Denn glücklicherweise arbeiten wir im Schamanismus nicht in erster Linie mit Gedanken, sondern mit Bewusstseinszuständen, mit Erlebnissen und mit Bildern und Geschichten.

Eines der schönsten und auch stärksten Bilder ist das vom Netz der Kraft. Dieses Netz umspannt und durchfließt die ganze Welt, jedes Lebewesen, ja sogar jedes Wesen überhaupt ist darin eingebunden. Es ist so etwas wie die Grundstruktur des Universums und des Lebens selbst. Es bezeichnet Zusammengehörigkeit und Energieaustausch, der die gesamte Welt umfasst.

Wir moderne Menschen fühlen uns gar zu oft getrennt von unserer Umwelt, allein gelassen, einsam, manchmal sogar verloren. Die gute Nachricht ist:

Wir sind ganz und gar überhaupt nicht getrennt von unserer Umwelt. Wir sind Teil dieses Netzes!

Und das gilt, ganz egal, ob wir es glauben oder nicht, ganz egal, ob wir es gerade fühlen oder nicht. Wir sind verbunden.

Ein wichtiger Aspekt der schamanischen Arbeit besteht darin, ein „guter“ Knotenpunkt dieses Netzes zu werden. Je mehr ich in meinen inneren Anteilen integriert bin und je mehr ich in meine Umwelt integriert bin, desto leichter kann die Kraft des Lebens zu mir und durch mich fließen. Desto mehr fühle ich mich frei, glücklich, verbunden, vital, fröhlich, inspiriert...

Klingt gut, oder?

Auf diesem Weg können wir unterscheiden zwischen dem Netz von Kraft in uns und dem um uns herum.

In uns gibt es unzählige Ebenen, die perfekt integriert sind miteinander. Zum Beispiel sind unsere Atmung und unser Herzschlag ganz fein aufeinander abgestimmt. Oder vergegenwärtige Dir einmal, wie viele Muskeln Du brauchst, um Dich ein einziges Mal am Kopf zu kratzen.

Es gibt aber auch Ebenen, in denen es uns schwerer fällt, integriert zu sein. Zum Beispiel fällt es vielen Menschen schwer, zwischen Denken und Fühlen zu vermitteln. Oder Menschen Fühlen etwas und tun etwas ganz Anderes, z. B. lehnen genau die Zuneigung ab, die sie am sehnlichsten möchten. Oder sie brauchen dringend Ruhe, um Kraft zu tanken, aber ihr Nervensystem läuft immer noch auf Aktivität bis zum Anschlag, weil sie einen Stress nicht loslassen können.

Hier braucht es etwas Arbeit zur Integration, um schließlich das Erleben von Einheit zu erreichen.


Bleibt die Frage:

Wie kann ich das umsetzen?

Wir Menschen sind recht komplexe Wesen, entstanden durch Entwicklungsprozesse, die Jahrtausende umfassen. Dem entsprechend sind wir auch in der Lage recht komplizierte Verwirrungen in uns aufzubauen. Und so sieht es manchmal so aus, als wäre der Weg unserer Entwicklung und Integration ein total schwieriger, mühsamer und komplizierter Weg.

Es gibt jedoch einige ebenso einfache wie wirkungsvolle Möglichkeiten, in uns tiefe Erlebnisse von Integration auszulösen. In aller Regel ist die Lösung einfacher als das Problem. Und es kostet weniger Kraft, eine Integration herbeizuführen als die Abspaltung aufrecht zu erhalten. Alles was wir brauchen ist eine gute Hebelwirkung.

Eine dieser Möglichkeiten ist die Integration in den Gang der Tageszeiten, in erster Linie von Tag und Nacht.

So simpel es zunächst erscheinen mag, so wesentlich ist es, dass wir eine Klarheit darüber in uns fühlen, ob gerade Tag ist oder Nacht. Und bei dem Wort „fühlen“ liegt hier der Knackpunkt!

Natürlich „wissen“ wir fast immer, ob gerade Tag oder Nacht ist. Aber wir fühlen es längst nicht immer. Und so ist ein Teil von uns - unser Wissen, unser rationaler Aspekt - integriert in diesen Gang von Tag und Nacht, ein anderer Teil - unser unbewusster, fühlender Aspekt - ist es nicht.

Nun gibt es wirklich viele Autoren - Heiler oder Mediziner - die sich damit beschäftigen, in wie fern unsere moderne Lebensweise diese Abspaltung vom Tagesgang hervorruft und welche Folgen sie haben kann.

Doch was tun? Es dürfte uns recht schwer fallen, auf alle diese Faktoren des modernen Lebens zu verzichten, oder?

Hier kommt eine weitere wundervolle Möglichkeit der schamanischen Arbeit ins Spiel: Das Ritual. Ich werde bald auch einen Eintrag dem Ritual an sich widmen und der Frage, was ich unter diesem Wort verstehe. Doch fürs Erste glaub mir einfach, dass das was ich Euch jetzt vorschlage ein Ritual ist:

Beginne den Tag mit einem Moment, in dem Du Dich von der Nacht verabschiedest. Und dann begrüße den Tag. Das kann ganz einfach sein:

„Tschüss Nacht, bis später, schön dass Du da warst. Hallo Tag, herzlich willkommen, schön dass Du jetzt da bist.“

Und wenn sich der Tag dem Ende zuneigt, dann verabschiede Dich vom Tag und begrüße die Nacht:

„Tschüss Tag, auf Wiedersehen. Schön dass Du da warst. Hallo Nacht, herzlich willkommen, schön dass Du jetzt da bist.“

So versammelst Du Dein Bewusstsein am Übergang von Tag und Nacht. Du nimmst diese Schwelle bewusst. Es ist ganz egal, ob Dich dieses Ritual von Anfang an berührt oder es Dir erstmal seltsam erscheint. Auch egal, ob Dir Deine Worte erstmal fremd oder aufgesetzt erscheinen. Diese Sammlung Deines Bewusstseins an der Schwelle von Tag und Nacht wird immer stärkere Effekte haben und Dich immer weiter integrieren in den Gang von Tag und Nacht.

Das bedeutet nichts weniger als eine Vertiefung Deines Kontakts zu Erde und Sonne, zwei der großen Kräfte unseres Lebens und ihrer sich wandelnden Verbindung miteinander.

Also probiert es aus, es kostet kein Geld, braucht keine Mühe, keinen Arzt und keinen Guru und bietet so vieles. Ich finde, das klingt gerade gut genug, um wahr zu sein...

Soweit von mir für heute, ich wünsche Euch das Beste.

Euer Johannes
 

1 frei zitiert nach Sanclair Lemos (brasilianischer Biodanzaleiter)
 

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